Was kostet ein Life Coach in der Schweiz?

Die Frage, die fast niemand beantwortet

Du überlegst, ein Coaching zu machen. Du suchst eine Handvoll Websites durch. Und auf keiner einzigen steht, was es kostet.

Das ist kein Zufall, und es ist auch keine Bosheit. Es steckt eine Verkaufslogik dahinter: Wer keinen Preis nennt, verliert niemanden am Preis. Man soll zuerst das kostenlose Erstgespräch buchen, Vertrauen aufbauen, und dann kommt die Zahl – idealerweise in einem Moment, in dem sie schwerer abzulehnen ist.

Ich halte das für ein schlechtes Geschäft, und zwar für beide Seiten. Wer sich ein Coaching nicht leisten kann oder will, hat nichts davon, ein Gespräch zu führen, dessen Ergebnis vorher schon feststand. Und ich habe nichts davon, Zeit in Gespräche zu investieren, die an einer Zahl scheitern, die ich hätte hinschreiben können.

Deshalb dieser Beitrag – mit echten Zahlen, auch meinen eigenen.

Warum es keine offizielle Statistik gibt

Das Wichtigste zuerst, weil es den ganzen Rest erklärt: «Coach» ist in der Schweiz keine geschützte Berufsbezeichnung. Es gibt keine staatliche Zulassung, keine Registrierungspflicht, keine Aufsichtsbehörde und damit auch keine Stelle, die Honorare erhebt.

Das heisst konkret: Jede Person darf sich Life Coach nennen. Und jede Zahl, die du im Netz zu Coaching-Preisen findest, stammt entweder von einem Coach, von einer Coaching-Vermittlungsplattform oder von einem Ausbildungsanbieter – also immer von jemandem, der ein Interesse daran hat, wie die Zahl aussieht.

Ich habe für diesen Beitrag durchgesehen, was solche Seiten nennen. Das Bild ist einigermassen konsistent, aber du solltest wissen, woher es kommt:

  • Die meistgenannte Spanne liegt bei CHF 120 bis 200 pro Sitzung von 60 bis 90 Minuten.
  • Für Zürich werden häufiger CHF 150 bis 300 pro Stunde angegeben.
  • Coaches am Anfang ihrer Tätigkeit werden bei CHF 100 bis 150 eingeordnet, sehr erfahrene oder stark spezialisierte bei CHF 200 und mehr.
  • Auf Vermittlungsplattformen findest du auch Angebote ab CHF 30 pro Stunde. Das sind in der Regel Studierende oder Quereinsteigende ohne Coaching-Ausbildung.

Das ist keine Statistik. Das ist eine Sammlung von Selbstauskünften der Branche über sich selbst. Als Orientierung reicht sie – als Beweis für einen «marktgerechten Preis» taugt sie nicht, und wenn dir jemand mit so einer Zahl seinen Preis begründet, weiss du jetzt, wie belastbar das ist.

Was den Preis tatsächlich bestimmt

Vier Dinge, in etwa dieser Reihenfolge:

Erfahrung und Spezialisierung. Nicht die Anzahl Zertifikate, sondern die Anzahl Menschen, mit denen jemand gearbeitet hat – und ob er zu deinem Thema tatsächlich etwas beitragen kann. Ein Coach, der alles anbietet, ist selten für dein spezifisches Thema die beste Wahl.

Format. Vor Ort kostet fast überall mehr als online. Das ist keine Willkür: Ein Raum kostet Miete, und An- und Abreise sind unbezahlte Arbeitszeit.

Dauer und Paketgrösse. Fast alle Anbieter geben einen Rabatt, wenn du mehrere Sitzungen auf einmal buchst. Das ist ökonomisch nachvollziehbar – aber es ist auch der Punkt, an dem du am meisten Geld verlieren kannst, wenn die Chemie nicht stimmt. Dazu unten mehr.

Region. Zürich, Zug und Genf liegen über dem Schnitt, ländliche Regionen darunter. Seit Online-Coaching normal geworden ist, hat dieser Faktor allerdings deutlich an Bedeutung verloren – du bist nicht mehr auf die Anbieter in deinem Umkreis beschränkt.

Was die Krankenkasse zahlt

Kurz: nichts. Coaching ist keine medizinische Leistung, es gibt keine Diagnose und keinen Tarif. Aus der Grundversicherung wird Coaching nicht bezahlt, und mir ist auch keine Zusatzversicherung bekannt, die es generell übernimmt.

Was übernommen wird, ist Psychotherapie – seit Juli 2022 im Anordnungsmodell über die Grundversicherung, wenn sie von einer Ärztin oder einem Arzt angeordnet wurde. Das ist ein anderes Angebot mit anderen Voraussetzungen, und wenn du es brauchst, ist es das Richtige. Den Unterschied habe ich hier ausführlich beschrieben: Coaching vs. Therapie.

Falls dein Arbeitgeber ein Angebot für externe Beratung hat: Dort lohnt sich das Fragen. Manche Firmen finanzieren Coaching im Rahmen der Personalentwicklung oder über ein Mitarbeitendenprogramm.

Rechne in Gesamtkosten, nicht in Stundensätzen

Der Stundensatz allein sagt wenig. Was zählt, ist, was der ganze Prozess kostet – und die Rechnung fällt oft anders aus, als der Sitzungspreis vermuten lässt:

  • 12 Sitzungen zu CHF 130 sind CHF 1’560. Verteilt auf ein halbes Jahr sind das rund CHF 260 im Monat.
  • Ein Coach für CHF 200, bei dem du nach vier Sitzungen weiterweisst, kostet dich CHF 800 – und ist damit günstiger als der Coach für CHF 120, bei dem es zwölf Sitzungen braucht.

Wie viele Sitzungen du brauchst, kann dir vorher niemand seriös sagen. Aber ein guter Coach sagt dir nach zwei oder drei Sitzungen ehrlich, ob es in eine Richtung geht – und ob er der Richtige ist.

Woran du einen unseriösen Preis erkennst

Weniger am Betrag als an dem, was drumherum passiert:

  • Der Preis kommt erst nach dem Vertrauensaufbau. Wenn du im Erstgespräch nach dem Preis fragst und die Antwort ausweicht, ist das ein Signal.
  • Druck auf ein grosses Paket, bevor überhaupt gearbeitet wurde. Ein Zwölfer-Paket kann sinnvoll sein. Es im ersten Gespräch zu verkaufen, ist es nicht.
  • Erfolgsversprechen. «Nach zehn Sitzungen bist du angstfrei» ist kein Verkaufsargument, sondern ein Warnsignal. Niemand kann das versprechen.
  • Keine Absagefrist, oder eine unklare. Wenn nicht schriftlich steht, bis wann du kostenlos verschieben kannst, wird das irgendwann zu deinen Lasten geklärt.
  • Keine Grenze zur Therapie. Wer bei Depression, Angststörungen oder Suchtthemen einfach weitercoacht, statt zu verweisen, verkauft dir seine Sitzungen und nicht deine Gesundheit.

Was ich verlange – und warum ich es hinschreibe

Ich finde, wer über Preistransparenz schreibt, soll seine eigenen Zahlen nennen:

  • CHF 140 pro Sitzung à 60 Minuten vor Ort in Wetzikon
  • CHF 130 pro Sitzung online via Zoom
  • Beides auch einzeln buchbar, ohne Paket
  • Das Kennenlerngespräch ist kostenlos – unverbindlich, via Zoom oder Telefon

Die Pakete «Momentum 12+1» und «Evolution 24+3» enthalten zusätzlich kostenlose Nachbesprechungssitzungen. Beim Momentum-Paket sinkt der Preis pro Sitzung dadurch auf rund CHF 129 vor Ort und CHF 120 online. Alle Details, inklusive Zahlungs- und Absagebedingungen, stehen auf Coaching-Pakete.

Ich liege damit im mittleren Bereich der Spannen von oben. Das ist eine Entscheidung: Ich will kein Premium-Positioning über den Preis, und ich will auch nicht der günstigste sein, weil das bei einer Dienstleistung, die aus meiner Zeit besteht, nur über weniger Vorbereitung funktioniert.

Fazit

Coaching in der Schweiz kostet üblicherweise CHF 120 bis 200 pro Sitzung – aber diese Zahl stammt aus der Branche selbst, weil es keine offizielle Erhebung gibt und «Coach» keine geschützte Bezeichnung ist. Wichtiger als der Stundensatz sind die Gesamtkosten, die Absage- und Zahlungsbedingungen und die Frage, ob dein Gegenüber die Grenze zur Therapie kennt.

Und das Allerwichtigste kostet nichts: Ein Erstgespräch, in dem du das Gefühl hast, verstanden zu werden. Wenn du das nicht hast, ist jeder Preis zu hoch.

Wenn du wissen willst, ob es zwischen uns passt: Das Kennenlerngespräch ist kostenlos und unverbindlich. Und du weisst schon vorher, was danach käme.

Dein Fortschritt ist meine Freude.