Am 19. November ist Internationaler Männertag. Für Firmen kann er ein Anlass sein, männlichen Mitarbeitenden einen Raum zu geben, in dem sie über Druck, Rollenbilder, Vatersein oder Erschöpfung reden können. Manche Unternehmen haben bereits ein Format für Frauen, etwa ein Netzwerk oder einen Anlass zum Internationalen Frauentag am 8. März, und suchen nun etwas Passendes für Männer. Hier findest du neun Ideen, von der kurzen Runde über Mittag bis zum Anlass mit Grill, dazu Dinge, die du besser lässt, und eine Checkliste.
Wann ist der Internationale Männertag – und was ist der Weltmännertag?
Der Internationale Männertag wird jedes Jahr am 19. November begangen; 2026 fällt er auf einen Donnerstag. In seiner heutigen Form geht er auf das Jahr 1999 zurück: Initiant war der Historiker Jerome Teelucksingh von der University of the West Indies in Trinidad und Tobago (History & background). Zu den sechs Zielen, die die Organisatoren nennen, gehören positive männliche Vorbilder aus dem Alltag, nicht nur Filmstars und Sportler, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Männern sowie ein besseres Verhältnis der Geschlechter (Objectives of IMD). Das Motto 2026 auf der internationalen Website lautet «The Future is Everyone».
Ein offizieller Uno-Tag ist der 19. November nicht: Auf der Liste der internationalen Tage der Vereinten Nationen steht er nicht. Die Organisatoren setzen sich für eine Aufnahme ein (Vereinte Nationen).
Nicht zu verwechseln ist er mit dem Weltmännertag am 3. November. Dieser geht auf eine Initiative der Stadt Wien im Jahr 2000 zurück und stellt die Männergesundheit in den Mittelpunkt (Falter, 2000; Meryn & Jadad, 2001). Auch mit dem Vatertag hat der 19. November nichts zu tun. Ebenfalls in den November fällt Movember: Die Bewegung, 2003 in Melbourne entstanden, rückt jedes Jahr im November die Männergesundheit in den Fokus, mit den Schwerpunkten psychische Gesundheit und Suizidprävention, Prostatakrebs und Hodenkrebs (Movember).
Warum der Tag am Arbeitsplatz Sinn ergibt
Ein paar Zahlen aus der Schweiz zeigen, ohne zu dramatisieren, worum es gehen kann:
- Lebenserwartung: 2025 lag sie bei Geburt bei 82,7 Jahren für Männer und 86,3 Jahren für Frauen (provisorische Zahlen des BFS).
- Behandlung: In der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2022 waren 6,0 Prozent der Männer in den zwölf Monaten vor der Befragung wegen psychischer Probleme in Behandlung, bei den Frauen waren es 9,5 Prozent. Frauen berichten dort allerdings auch häufiger von Depressions- und Angstsymptomen (Obsan Bulletin 11/2024).
- Suizid: Von den Menschen, die sich in der Schweiz 2023 das Leben nahmen, waren fast drei Viertel Männer, assistierte Suizide nicht mitgezählt (Bundesamt für Statistik, 2024). Wer in einer akuten Krise ist, erreicht Die Dargebotene Hand rund um die Uhr unter 143.
- Erschöpfung: Im Job-Stress-Index 2022 von Gesundheitsförderung Schweiz fühlten sich 30,3 Prozent der Erwerbstätigen emotional erschöpft, erstmals seit 2014 mehr als 30 Prozent (Job-Stress-Index). Die Zahl gilt für Frauen und Männer zusammen.
- Vereinbarkeit: Im 2. Quartal 2024 arbeiteten 14,3 Prozent der Väter mit Kind im Haushalt Teilzeit, bei den Müttern waren es 74,9 Prozent (BFS, 2025).
Ein einzelner Anlass löst keines dieser Themen. Er kann aber zeigen, dass man in deiner Firma darüber reden darf, und Anlaufstellen bekannt machen. Warum vielen Männern das Reden schwerfällt, beschreibe ich im Beitrag Warum Männer schweigen.
Neun Ideen für den Internationalen Männertag am Arbeitsplatz
1. Ein kurzer Impuls mit moderierter Gesprächsrunde
Ein kurzer Input zu einem Thema, danach Reflexionsfragen und ein moderierter Austausch: Dafür reicht eine Stunde. Die Organisation Catalyst schlägt in ihrem Leitfaden zum Internationalen Männertag 2025 zum Beispiel diesen Ablauf vor: ein Einstieg von 20 Minuten mit einem kurzen Vortrag, 15 Minuten Austausch in kleinen Gruppen, 10 Minuten im Plenum und 5 Minuten persönliche Reflexion. Zu Beginn soll klar sein, dass die Runde ein Raum zum Erkunden ist und nicht für Schuldzuweisungen (Catalyst, 2025).
So gehts: Wähle ein Thema, das die Mitarbeitenden wirklich betrifft, und eine Person, die moderieren kann, ohne zu belehren. Wie ein solcher Anlass zum Internationalen Männertag für Mitarbeitende konkret aussehen kann, beschreibe ich auf einer eigenen Seite.
2. Lunch & Learn über Mittag
Ein Impuls mit anschliessender Diskussion über Mittag, rund eine Stunde, lässt sich leicht in den Arbeitstag einbauen. Wer will, isst dabei, und niemand verliert einen ganzen Nachmittag. Ein geselliger Teil kann separat am Abend folgen.
So gehts: Kündige ein konkretes Thema an, zum Beispiel «Druck und Leistung im Job», nicht nur «Männergesundheit». Plane genug Zeit für Fragen ein.
3. Eine kleine Gesprächsrunde unter Männern
Nicht jeder mag vor 40 Kolleginnen und Kollegen etwas Persönliches sagen. In einer kleinen Runde, einmalig oder regelmässig, ist Platz für das, was im grossen Kreis keinen hat.
So gehts: Halte die Gruppe klein, vereinbare zu Beginn, dass Persönliches im Raum bleibt, und gib eine Leitfrage vor, etwa: «Was hat dich dieses Jahr bei der Arbeit am meisten Kraft gekostet?» Niemand muss etwas sagen.
4. Walk & Talk
Ein Gespräch im Gehen, zu zweit oder zu dritt, eine halbe Stunde über Mittag. Manchen fällt das Reden nebeneinander leichter als gegenüber am Sitzungstisch.
So gehts: Bereite zwei, drei Fragen auf Kärtchen vor, bilde Paare über die Teams hinweg und wähle eine ruhige Route.
5. Eine Väterrunde zur Vereinbarkeit
Seit dem 1. Januar 2021 haben erwerbstätige Väter in der Schweiz Anspruch auf zwei Wochen bezahlten Urlaub (zehn Arbeitstage), zu beziehen innerhalb von sechs Monaten nach der Geburt. Seit 2024 heisst er im Gesetz «Urlaub des andern Elternteils» (BSV). Eine Runde für Väter und werdende Väter kann klären, was davon in deiner Firma gilt, wie andere den Urlaub genutzt haben und wie Teilzeit oder flexible Arbeitszeiten konkret gehen.
So gehts: Lade jemanden aus dem HR für die Fakten ein und zwei, drei Väter, die von ihren Erfahrungen erzählen. Wie unsichtbare Familienarbeit müde machen kann, liest du im Beitrag über Mental Load.
6. Führungskräfte erzählen
Positive Vorbilder aus dem Alltag sind eines der erklärten Ziele des Internationalen Männertags. Wenn ein Abteilungsleiter erzählt, wie er eine schwierige Phase erlebt hat oder warum er Teilzeit arbeitet, zeigt das: Offenheit hat in dieser Firma Platz.
So gehts: Frag zwei, drei Führungskräfte frühzeitig an, gib ihnen Zeit zur Vorbereitung und keine Vorgabe, wie persönlich es werden muss. Fünf ehrliche Minuten reichen.
7. Unterstützung sichtbar machen
Ein Anlass ist eine gute Gelegenheit, Anlaufstellen bekannt zu machen:
- eine Beratung für Mitarbeitende (Employee Assistance Programme, EAP), falls deine Firma eine anbietet
- die Hausärztin oder den Hausarzt als erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Beschwerden
- Die Dargebotene Hand, Telefon 143, persönlich, anonym und vertraulich; im Notfall die Sanität unter 144
So gehts: Mach die Nummern dauerhaft sichtbar, etwa im Intranet, nicht nur am 19. November. Wer in der Schweiz wann hilft, liest du im Beitrag Warum es okay ist, Hilfe zu suchen.
8. Bei Movember mitmachen
Movember hat eine eigene Seite für Firmen: Mitarbeitende bilden ein Team und sammeln im November Spenden, die Firma kann den gesammelten Betrag verdoppeln oder einen Anlass vor Ort durchführen (Movember at your workplace).
So gehts: Verbinde die Spendenaktion mit Inhalt, zum Beispiel mit einem kurzen Impuls zur Männergesundheit, damit es nicht beim Schnauz bleibt.
9. Ein geselliger Anlass mit Inhalt
Grill oder Apéro sind beliebt, und ein lockerer Rahmen kann das Gespräch erleichtern. Damit es mehr wird als ein Feierabendbier, stellst du einen Impuls mit Diskussion von rund einer Stunde an den Anfang, etwa ab 16 Uhr, und gehst danach zum gemütlichen Teil über.
So gehts: Gib dem inhaltlichen Teil einen festen Platz im Programm, nicht erst nach dem Essen.
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Themen für eine Gesprächsrunde unter Männern
- Druck und Leistung im Job
- Stress, Erholung und Schlaf
- Rollenbilder im Wandel, passend zum Motto 2026 «The Future is Everyone»
- Vatersein und Vereinbarkeit
- Gefühle am Arbeitsplatz
- Freundschaft und Einsamkeit unter Männern (mehr dazu im Beitrag Einsamkeit in der Schweiz)
- Wann und wo Männer sich Unterstützung holen
- Vorbilder: Wer hat dich geprägt, und was gibst du weiter?
Frag die Mitarbeitenden vorab, zum Beispiel mit einer kurzen anonymen Umfrage, was sie beschäftigt.
Was du besser lässt
- Nur Grill, kein Inhalt: ein netter Abend, aber kein Raum zum Reden.
- Klischees: Bier-Geschenke, Werkzeug, Witze über Männer, die nicht zuhören. Das bestätigt genau die Rollenbilder, über die man reden könnte.
- Druck, sich zu öffnen: Pflichtteilnahme oder eine Runde, in der reihum jeder etwas Persönliches erzählen muss. Freiwilligkeit ist die Grundlage.
- Männer gegen Frauen: Der Tag ist keine Konkurrenz zu Frauen-Formaten. Der britische Leitfaden für Arbeitgeber nennt ihn einen sehr inklusiven Anlass, der keine Konkurrenz schaffen will und auch Frauen und Mädchen zum Mitmachen einlädt (International Men’s Day UK).
- Einmal und nie wieder: Ein Anlass ohne nächsten Schritt bleibt eine Episode. Plane mindestens eine Folgerunde, eine Ansprechperson oder einen festen Hinweis im Intranet.
- Therapie spielen: Ein Firmenanlass ist kein Ort für Diagnosen oder Behandlung.
Checkliste: So planst du den Anlass
- Ziel: Was soll danach anders sein? Austausch ermöglichen, Angebote bekannt machen, ein Thema anstossen?
- Zielgruppe: Ein Raum nur für Männer oder offen für alle? Beides ist möglich. Entscheide bewusst und schreib es in die Einladung.
- Format und Termin: über Mittag, ab 16 Uhr oder mit geselligem Teil. Es muss nicht der 19. November sein; die Woche davor oder danach geht auch.
- Sprache: Ist im Team Englisch die Arbeitssprache, plane den Anlass auf Englisch oder frag nach, was den Teilnehmenden lieber ist.
- Moderation: intern oder extern? Wichtig ist jemand, der Gespräche leiten kann, ohne zu bewerten, und weiss, wohin man bei ernsten Themen weitervermittelt.
- Freiwilligkeit und Vertraulichkeit: Die Teilnahme ist freiwillig. Was im Austausch gesagt wird, bleibt im Raum und geht nicht an Vorgesetzte.
- Rahmen: Raum, Verpflegung, eine Einladung mit konkretem Thema und klarer Dauer.
- Nachbereitung: kurze Rückmeldung einholen, Unterlagen und Anlaufstellen verschicken, den nächsten Schritt festlegen.
Wenn du den Anlass nicht selbst moderieren willst
Ich biete solche Anlässe als moderiertes Format an: kurze Impulse, Reflexionsfragen, moderierter Austausch und offene Diskussion, je nach Ziel ergänzt mit aktivierenden Übungen, auf Deutsch oder Englisch, vor Ort im Raum Zürich oder auf Anfrage online. Neben dem Einzelcoaching leite ich Männerabende in kleinen Gruppen. Wie ein Anlass zum Internationalen Männertag bei dir ablaufen könnte, steht auf einer eigenen Seite; weitere Themen und Formate findest du unter Workshops für Unternehmen.
Ein solcher Anlass ist kein Therapieangebot und stellt keine Diagnosen. Wer über Wochen niedergeschlagen ist, geht am besten zuerst zur Hausärztin oder zum Hausarzt; in einer akuten Krise hilft Die Dargebotene Hand unter 143. Wo die Grenze zwischen Coaching und Therapie verläuft, liest du im Beitrag Coaching oder Therapie?.
Fazit
Der Internationale Männertag ist ein guter Aufhänger, um in der Firma über Themen zu reden, die viele Männer sonst für sich behalten. Es braucht dafür kein grosses Programm: Ein klares Thema, eine gute Moderation, Freiwilligkeit und ein nächster Schritt reichen. Und wer den Tag als Ergänzung zu Frauen-Formaten versteht, nicht als Konkurrenz, schafft einen Anlass für das ganze Team.
